Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft

DIHK thematisiert die wichtigsten Voraussetzungen

Ein Patient schluckt ein verordnetes Arzneimittel, das einen Sensor enthält. Der Sensor erzeugt ein schwaches elektrisches Signal, sobald er von der Magensäure zersetzt wird. Nach einigen Minuten nimmt ein am Brustkorb aufgeklebtes Pflaster das Signal auf und sendet es an den behandelnden Arzt. Der Arzt kann somit live mitverfolgen, ob der Patient das verordnete Arzneimittel auch wirklich schluckt. So soll die Therapietreue verbessert werden, die insbesondere bei Patienten mit psychischen Leiden ein Problem sein kann.

Was nach einem Szenario der Gesundheitsversorgung der Zukunft klingt, ist heute bereits Realität. Das enorme Potenzial digitaler Anwendungen und Innovationen wird aufgrund der derzeitigen Rahmenbedingungen in Deutschland jedoch bisher kaum genutzt. Wenn sich diese Situation nicht ändert, schwächt das langfristig die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Auch die Qualität der Gesundheitsversorgung würde darunter nachhaltig leiden.

Internationale Erfahrungen nutzen
Gerade Länder wie Estland oder die Schweiz zeigen, wie die digitale Transformation gelingen kann. Als Vorbild für Deutschland könnte zum Beispiel das Medgate Telemedicine Center eines Schweizer Telemedizinanbieters dienen. Eine zentrale Rolle nimmt in diesem Fall die Medgate-App ein. Über diese können Versicherte unter anderem Fotos von Haut- und Augenveränderungen zur Verlaufskontrolle an Ärzte übermitteln oder Arzneimittel im Rahmen der Telekonsultation verschrieben bekommen.

Innovationsoffene Rahmenbedingungen herstellen und Wettbewerb stärken
Vor diesem Hintergrund sollte der Leitgedanke für das im Koalitionsvertrag angekündigte E-Health-Gesetz 2.0 aus Sicht des DIHK die Herstellung innovationsoffener Rahmenbedingungen sein. Diese sollten sich nicht auf bestimmte Technologien wie die elektronische Gesundheitskarte beschränken, sondern auch die Anwendung zukünftiger technologischer Entwicklungen ermöglichen. Grundvoraussetzung ist, dass die Telematikinfrastruktur – eine Datenautobahn für das Gesundheitswesen – nach Jahren der Stagnation beim Aufbau endlich an den Start geht. Um die positiven Kräfte des Wettbewerbs für die digitale Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen zu nutzen, sollte ein unabhängiges Institut technologische Standards setzen und einen funktionsfähigen Wettbewerb innerhalb der Telematikinfrastruktur fördern.

Auf Digitalisierung in der Patientenversorgung setzen
Die Vielfalt der Akteure und Institutionen sowie langwierige und kaum praktikable Zulassungsverfahren haben derzeit häufig zur Folge, dass digitale Innovationen – beispielsweise auf Künstliche Intelligenz gestützte Gesundheits-Apps – nicht in die Patientenversorgung gelangen. Die Regulierung sollte daher effizienter und unternehmensfreundlicher ausgestaltet werden sowie die Besonderheiten digitaler Produkte und Anwendung umfassender berücksichtigen.

Herausforderungen für Start-ups berücksichtigen
Gerade Start-ups bringen innovative digitale Lösungen hervor und leisten so einen wichtigen Beitrag zur digitalen Transformation. Deshalb sollten deren Herausforderungen stärker als bislang Berücksichtigung finden, zum Beispiel, indem die Behörden im Gesundheitssystem einen kontinuierlichen Dialog mit diesen Unternehmen führen. Start-ups könnten dann frühzeitig die regulatorischen Anforderungen bei der Entwicklung und späteren Vermarktung ihrer Produkte und Anwendungen berücksichtigen.

Quelle: Thema der Woche beim DIHK



[Stand 04.06.2018]

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